II Die Hintergründe der jetzigen Situation
In diesem Kapitel werden Überlegungen angestellt, wie es zu dieser bedenklichen Lage kommen konnte, in der sich junge Muslime heutzutage befinden.
Wenn wir die Ursachen nicht kennen, dann werden wir nur die Anzeichen an der Oberfläche angehen können. Im Folgenden soll deshalb auf drei Einflussfelder eingegangen werden, welche meiner Meinung nach die Ursachen der problematischen Lage von heranwachsenden Muslimen maßgeblich darstellen. Ich werde versuchen aufzuzeigen, dass viele Umstände von uns Muslimen hausgemacht sind.
- Die elterliche Erziehung
Um die verkorkste Situation beschreiben zu können, in der junge Muslime aufwachsen, beschreiben wir jetzt einen kleinen Film. Dieser besteht aus acht Szenen, welche wirkungsvoll genug sind, um das Leben eines heranwachsenden Muslims zu prägen.
Szene 1
Eine junge Mutter geht mit ihrem einjährigen Sohn spazieren. Das Kind läuft ein paar Schritte voraus und fällt. Noch bevor es versuchen kann, von selbst aufzustehen, eilt die Mutter zu ihm und hebt es auf.
Szene 2
Das Kind ist jetzt ein Jahr älter. Es sitzt im Wohnzimmer und weint, weil es raus will.
Doch es wird ihm verwehrt und zwar ohne Angabe von Gründen. Wenn es weiter weint, wird aus Bequemlichkeitsgründen mit dem Rufen des deutschen Nachbarn oder mit dem Ruf des bösen Polizeionkels gedroht. Hauptsache das Kind ist ruhig.
Szene 3
Mit fünf Jahren geht das Kind mit Mutter und Vater auf Einkaufstour. Das Kind braucht Kleidung. Die Mutter sucht aus. Der Vater gibt sein Einverständnis. Derjenige, für den die Kleidung bestimmt ist, bleibt kurioserweise beim Entscheidungsprozess außen vor. Die verdutzten Blicke des Kindes gehen zu einem anderen Kind, dessen Mutter mit drei Jacken in der Hand das Kind entscheiden lässt.
Szene 4
Mit den besten Schulsachen ausgerüstet, fängt das Kind in der Grundschule an. Aber das Kind besitzt keine Schultüte, weil die Eltern dies für unnötiges Zeug hielten.
Das Kind spricht, sagen wir mal, sehr dürftig deutsch. Seine eigene Muttersprache spricht es noch schlechter. Irgendetwas muss schief gelaufen sein.
Die Eltern erscheinen manchmal zum Elterngesprächstag. An sonstigen Aktivitäten der Schule, welche mit dem Islam eigentlich nicht in Widerspruch stehen, beteiligen sie sich noch seltener. Die Lehrer wundern sich über das stille und leicht reizbare Kind.
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